Autofahrer rast in Modena in Passanten: Acht Verletzte in Norditalien
In der norditalienischen Stadt Modena ist ein Autofahrer mit seinem Wagen in Passanten gerast und hat dabei acht Menschen verletzt. Vier Menschen, unter ihnen eine Deutsche und eine Polin, erlitten schwere Verletzungen, wie Bürgermeister Massimo Mezzetti am Samstag sagte. Einer Frau mussten beide Beine amputiert werden. Der Autofahrer wurde von Passanten überwältigt. Der Mann hatte in der Vergangenheit unter psychischen Problemen gelitten, Hinweise auf eine Radikalisierung gab es zunächst nicht.
Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten, wie der etwa 30 Jahre alte Mann - ein Italiener mit marokkanischen Wurzeln - mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit auf eine belebte Straße in der Innenstadt fuhr. Die Präfektin von Modena, Fabrizia Triolo, sagte bei einer Pressekonferenz, der Wagen habe mehrere Passanten erfasst und sei dann in ein Schaufenster gekracht. Dabei traf er auch mit voller Wucht eine Frau, deren Beine amputiert werden mussten.
Anschließend versuchte der Mann zu fliehen, wurde aber von vier Passanten gestoppt. Der Angreifer zog bei der Auseinandersetzung ein Messer und verletzte einen Mann.
Dieser sagte später mit blutüberströmten Kopf im italienischen Fernsehen, er habe sich auf den Boden geworfen, als das Auto auf ihn zugerast sei. Nachdem das Auto zum Stehen kam, habe er den flüchtigen Fahrer mit anderen Passanten verfolgt, sagte Luca Signorelli. "Er zog ein Messer, hat mich am Kopf getroffen und mir einen weiteren Stich in Richtung Herz versetzt, den ich jedoch abwehren konnte."
Die Wohnung des 1995 geborenen Autofahrers wurde von der Polizei durchsucht. Italienische Medien berichteten, es seien zunächst keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung gefunden worden. Der Mann war nicht polizeibekannt.
Präfektin Triolo sagte aber, der Mann habe 2022 "eine psychische Störung" durchgemacht. Er sei wegen "schizoider Probleme" in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden, danach habe sich seine Spur verloren. Triolo zufolge stand der Fahrer nicht unter dem Einfluss von "psychotropen Substanzen". Der Begriff umfasst Psychopharmaka wie auch Drogen.
Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni sprach im Kurzbotschaftendienst X von einem "äußerst schwerwiegenden" Vorfall und dankte den Bürgern, "die mutig eingegriffen haben", um den Täter aufzuhalten. Meloni sagte eine geplante Zypern-Reise ab und reiste am Sonntag nach Modena, wo sie zusammen mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella Verletzte im Krankenhaus besuchte.
Rechtspopulistische Politiker nutzten den Vorfall, um strengere Einwanderungsregeln zu fordern. Der Chef der migrationsfeindlichen Lega-Partei, Matteo Salvini, erklärte, die Integration von Migranten zweiter Generation sei "gescheitert".
Modenas Bürgermeister Mezzetti rief dagegen dazu auf, sich gegen jene zusammenzuschließen, "die spalten und Hass säen wollen". Der Mitte-Links-Politiker verwies außerdem darauf, dass zwei ägyptische Staatsbürger zu jenen gehört hätten, die den Autofahrer überwältigten.
A.Singh--MT