Lange verschollener Hut von Napoleon erstmals öffentlich zu sehen
Ein mehr als hundert Jahre lang verschollener Hut des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte ist ab Juni erstmals öffentlich in Frankreich zu sehen: Der Zweispitz ist das Herzstück einer Ausstellung über Napoleons Schwester Caroline Murat in Chantilly nördlich von Paris. Es handle sich um ein "absolut einmaliges" Stück, schwärmte sein Wiederentdecker Jean-Guillaume Parich vom Pariser Musée de l'Armée am Donnerstag bei der Präsentation des Hutes.
Dem Spezialisten zufolge handelt es sich um einen von vier Hüten, die Napoleon in die Verbannung auf der Insel St. Helena mitnahm, wo er 1821 starb. In seinem kurz vor seinem Tod aufgesetzten Testament hatte der frühere Kaiser seine Besitztümer, darunter auch zwei seiner Hüte, seinem Sohn vermacht. Dieser starb jedoch schon 1832, ohne sein Erbe je zu erhalten.
Dieses ging vier Jahre später schließlich an Napoleons Schwester Caroline Murat, darunter auch der jetzt wiederentdeckte Hut. 1904 gelangte der Zweispitz schließlich in die Sammlung des Musée Condé im Schloss von Chantilly, wo er jedoch im Archiv verschwand und in Vergessenheit geriet.
Erst im vergangenen Jahr, bei der Vorbereitung der Ausstellung über Caroline Murat, spürte Spezialist Parich die Kopfbedeckung wieder auf und konnte ihre Authentizität nach eigenen Worten "zu 100 Prozent" bestätigen. Hergestellt wurde der Zweispitz demnach von Napoleons Hof-Hutmacher Poupard aus Biberhaar-Filz. Der Hut weist alle Besonderheiten der kaiserlichen Lieblings-Kopfbedeckung wie eine kleine Kokarde in den Farben der Trikolore, eine schwarze Seidenborte und ein Futter aus Seidentaft auf.
Während seiner rund 15 Jahre an der Macht habe Napoleon etwa 60 bis 80 Zweispitze für sich anfertigen lassen, die ihn auf dem Schlachtfeld leicht erkennbar machten und zu seinem Markenzeichen wurden, schilderte Parich. Etwa 15 als authentisch bestätigte Hüte mit "rückverfolgbarer" Geschichte sind bis heute erhalten, die meisten davon befinden sich in Museen.
Napoleons Besitztümer sind bei Sammlern beliebt und erzielen bei Auktionen regelmäßig hohe Summen. Im vergangenen Jahr war ein Säbel Napoleons für 4,7 Millionen Euro versteigert worden, ein Feldbett kam immerhin auf fast 70.000 Euro. Ein anderer Zweispitz erzielte 2023 einen Preis von mehr als 1,9 Millionen Euro.
C.Chaudhary--MT