

Reallöhne im zweiten Quartal um knapp zwei Prozent gestiegen
Bei der Entwicklung der Reallöhne hat sich der positive Trend im zweiten Quartal des Jahres fortgesetzt. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, kletterten die Nominallöhne gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 4,1 Prozent, während sich die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um etwa 2,1 Prozent verteuerten. Damit hatten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter dem Strich 1,9 Prozent mehr Geld im Portemonnaie.
Wie die Statistiker weiter mitteilten, legten die Nominallöhne von Geringverdienern wie schon im ersten Quartal überdurchschnittlich stark zu. Demnach verzeichnete das Fünftel der Vollzeitkräfte mit den geringsten Verdiensten von April bis Juni eine Steigerung von 6,5 Prozent. Für das obere Fünftel mit den höchsten Verdiensten lag der Zuwachs bei 2,5 Prozent. Insgesamt stiegen die Verdienste der Vollzeitarbeitenden um 4,3 Prozent.
Für die geringfügig Beschäftigten kam es dem Statistikamt zufolge nur zu einem Anstieg von 0,6 Prozent. Hingegen wuchsen die Nominallöhne von Auszubildenden mit 5,5 Prozent überdurchschnittlich.
Bezogen auf die unterschiedlichen Branchen waren laut Bundesamt im zweiten Quartal insbesondere bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen "überdurchschnittliche Steigerungen der Nominallöhne" festzustellen - mit einem Plus von 7,6 Prozent. Auch bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen gab es demnach einen Anstieg um ebenfalls 7,6 Prozent.
Demgegenüber verzeichneten die Wirtschaftsabschnitte Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (2,7 Prozent) und Kunst, Unterhaltung und Erholung (2,7 Prozent) sowie Verkehr und Lagerei (1,7 Prozent) vergleichsweise geringe Nominallohnanstiege. In der Energieversorgung sanken die Nominallöhne um 0,2 Prozent.
Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) verwies am Freitag darauf, dass die Reallöhne im laufenden Jahr bislang deutlich langsamer als im vergangenen Jahr gestiegen seien. Damals hatten sie mit einem Plus von durchschnittlich 3,1 Prozent gegenüber 2023 so stark zugelegt wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008. Dies wiederum sei allerdings eine "Reaktion auf die Kaufkraftverluste in den vier Jahren zuvor" gewesen, erläuterte IfW-Experte Dominik Groll. "Vor diesem Hintergrund war die langsamere Gangart im laufenden Jahr absehbar", erklärte er.
Für die allermeisten Beschäftigten komme hinzu, "dass zu Jahresbeginn die Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stark gestiegen sind, so dass vom Plus bei den realen Bruttolöhnen netto in diesem Jahr kaum etwas übrigbleiben dürfte", führte Groll weiter aus. "Das bedeutet, dass trotz ordentlicher Anstiege der nominalen Bruttoverdienste es zu keiner nennenswerten Erhöhung der real verfügbaren Lohneinkommen für die Arbeitnehmer kommt."
Der Mindestlohnexperte aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Malte Lübcker bezeichnete den jüngsten Anstieg der Reallöhne zwar als "gute Nachricht für die Beschäftigten und für die Konjunktur in Deutschland, die aktuell besonders stark auf die Binnennachfrage angewiesen ist". Er verwies aber auf die hohe Inflation, durch die die Kaufkraft der Löhne zuvor "deutlich gesunken" sei. "Inflationsbereinigt lagen die Löhne deshalb auch im zweiten Quartal 2025 noch unter dem Niveau des zweiten Quartals 2019", erklärte Lübcker.
P.Ghosh--MT