Brände in Frankreich und Spanien wüten weiter - 300.000 Menschen evakuiert
In Frankreich und Spanien haben tausende Einsatzkräfte am Wochenende weiter gegen die verheerenden Brände gekämpft. Der Sprecher des französischen Feuerwehrverbandes FNSPF, Eric Brocardi, sprach im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag von einem "David-gegen-Goliath-Szenario". Bis zum Wochenende waren wegen der Feuer in Frankreich und Spanien mehr als 300.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes, Virginia Barcones, sprach von einem Feuer-"Monster".
In Frankreich wüteten die Flammen vor allem im Südwesten des Landes, wo sie sich laut Innenminister Laurent Nuñez zuletzt "unkontrolliert" nahe der Stadt Bordeaux ausbreiteten. Am Sonntag rückten sie demnach bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Stadt-Großraums heran.
Nuñez zufolge blieb die Lage im ganzen Land auch weiter "sehr ungünstig". 250.000 Menschen waren nach offiziellen Angaben bis Sonntagnachmittag von einer Evakuierungsaufforderung betroffen. Sie ist damit eine der bislang größten in Frankreich infolge von Bränden.
Die meisten Menschen wurden in der Region Gironde in Sicherheit gebracht, aber auch das benachbarten Département Landes war betroffen. Dort war ein weiterer Waldbrand nach Angaben der Behörden zwar "besser unter Kontrolle, aber noch nicht gestoppt".
Zuvor hatte der Innenminister betont, Frankreich habe noch nie Brände in diesem Ausmaß erlebt. Er versprach, "alles zu tun", um die Stadt Bordeaux zu schützen. Bürgermeister Thomas Cazenave schloss am Sonntag eine Evakuierung der 850.000-Einwohner-Großstadt vorerst aus. Er fügte hinzu: "Wir sind sehr wachsam. Wir sind auf alles vorbereitet."
Allein in der Umgebung von Bordeaux wurden mindestens 240 Häuser zerstört, viele davon in der Gemeinde Le Porge. Am Wochenende beteiligten sich an den Einsätzen gegen die Flammen im Département Gironde rund 2500 Feuerwehrleute, 1500 Militärangehörige und etwa 1200 Polizisten.
Die wichtigste Autobahn südlich von Bordeaux sowie der Bahnverkehr wurden gesperrt. Die örtliche Präfektin Sophie Brocas appellierte an Touristen, dem Gebiet fernzubleiben und "andere Reiseziele in Betracht zu ziehen".
42.000 Hektar Land in der Gironde fielen nach Angaben der Präfektur bislang den Flammen zum Opfer. Damit zählen die Brände in der Gegend zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Großbrand im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört.
Laut dem französischen Feuerwehrverbandssprecher Brocardi hat der Großbrand in Frankreich einen beispiellosen "Pyrocumulonimbus" hervorgerufen - eine gigantische, unbezähmbare Feuerwolke, die ihre eigenen Winde erzeugt und Blitze mit sich bringt, die wiederum weitere Brände auslösen. "Es ist ein David-gegen-Goliath-Szenario", sagte Brocardi der AFP. Die Feuerwehrleute hoffen ihm zufolge auf eine "Schwachstelle", an der sie ansetzen können.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wird am Montag um 10.00 Uhr ein Krisentreffen mit zuständigen Ministern abhalten, wie der Elysée-Palast mitteilte.
Im Nachbarland Spanien hätten die Brände eine "massive Krise" ausgelöst, sagte die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes, Virginia Barcones, dem Sender TVE. Die Feuer betreffen demnach "ein 280 Kilometer großes Gebiet, das eine Fläche von 77.000 Hektar umfasst".
Laut Spaniens Ministerin für den ökologischen Wandel, Sara Aagesen, betreffen diese 77.000 Hektar die Region Madrid und die Provinzen Ávila und Toledo. Das Feuer in Ávila mit einer verbrannten Fläche von 50.000 Hektar sei der "größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte unseres Landes".
Allein nahe Madrid mussten Zehntausende ihre Häuser verlassen. Westlich der spanischen Hauptstadt loderten die schlimmsten Brände. Spaniens König Felipe VI. besuchte in einer Notunterkunft Menschen, die vor den verheerenden Waldbränden aus ihren Häusern fliehen mussten.
Die Betroffenen hätten "viel" verloren, beklagte der König am Sonntag beim Besuch der nahe Madrid gelegenen Gemeinde Villamanta. "Gemeinsam haben wir ein Naturerbe von unschätzbarem Wert verloren."
Auch der Trainer von Fußball-Weltmeister Spanien, Luis de la Fuente, besuchte von den beispiellosen Waldbränden Vertriebene und sprach ihnen Mut zu. "Ich denke, wir alle müssen in diesen schwierigen, tragischen Momenten alles in unserer Kraft Stehende tun, um zu helfen", sagte der Erfolgstrainer in der westlich von Madrid gelegenen Gemeinde Las Rozas dem Sender TVE.
Nahe der Küstenstadt Valencia mussten wegen eines neuen Waldbrandes am Wochenende 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt wurden damit landesweit rund 75.000 Einwohner oder Touristen evakuiert.
Durch den starken Wind könnten die Flammen weiter angefacht werden. Löschflugzeuge aus Italien und Portugal unterstützen die spanischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Brände.
Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach am Sonntag von "schwierigen" Stunden, die vor den Einsatzkräften lägen. Gleichzeitig sagte er bei einem Besuch in der Provinz Ávila, die Nacht sei mit Blick auf den Brandverlauf, die Eindämmung der Flammen und die Löscharbeiten "sehr positiv" verlaufen.
Die Brände in den beliebten Urlaubsländern Frankreich und Spanien fallen mit der Hauptferienzeit zusammen. Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet.
Papst Leo IV. bekundete am Sonntag in seinen Gebeten Solidarität mit allen von den "verheerenden" Bränden in Spanien und Frankreich Betroffenen. Er rief dazu auf, für sie sowie für die Einsatzkräfte zu beten.
G.Goel--MT