Hauchdünner Vorsprung für linke Opposition bei Wahl in Schweden - Verluste für Rechtspopulisten
Bei der Parlamentswahl in Schweden liegt die von den Sozialdemokraten angeführte Opposition mit hauchdünnem Vorsprung in Führung. Nach Auszählung von gut 50 Prozent der Stimmen kamen die vier linken Oppositionsparteien am Sonntagabend auf 49,3 Prozent. Die rechtsgerichtete Allianz von Regierungschef Ulf Kristersson lag bei 49,1 Prozent. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten büßten erstmals seit ihrem Einzug ins Parlament im Jahr 2010 an Zustimmung ein und errichten nur noch 17,7 Prozent.
Bei der Wahl war ein enges Rennen erwartet worden zwischen der linksgerichteten Opposition und Kristerssons Mitte-Rechts-Koalition, die von den Schwedenkdemokraten unterstützt wird. Das linke Lager wird angeführt von der Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten, Magdalena Andersson, die auf ein Comeback als Regierungschefin hofft.
Bei der Wahlparty der Sozialdemokraten wurden die Prognosen unter lautem Jubel gefeiert. Überraschend waren vor allem die Stimmverluste für die Schwedendemokraten, die bisher zweitstärkste Kraft im Parlament waren. Die Prognosen seien "ein wenig enttäuschend", sagte eine Abgeordnete der rechtspopulistischen Partei, Julia Kronlid, der Nachrichtenagentur AFP. "Aber es ist noch nicht vorbei, es kann sich noch ändern."
Kristersson führt bisher eine Minderheitsregierung an, die im Parlament auf die Stimmen der Schwedendemokraten angewiesen ist. Die Rechtspopulisten, die in den Umfragen vor der Wahl bei rund 20 Prozent gelegen hatten, wollten nun zum ersten Mal mitregieren. Kristersson stellte den Rechtspopulisten Schlüsselposten in Aussicht, sollte er erneut regieren, darunter das Ressort für Einwanderung.
Andersson hofft auf ein Comeback als Ministerpräsidentin. Die 59-Jährige stand als erste Frau in der Geschichte des EU-Landes bereits ab Ende November 2021 für gut zehn Monate an der Regierungsspitze. Bei ihrer Stimmabgabe am Sonntag sprach sie von einer Richtungswahl. "Jetzt liegt es am schwedischen Volk zu entscheiden, in welche Richtung unser Land gehen soll", sagte Andersson. Es gehe um die Wahl zwischen einer Regierung, die erstmals "vollständig von den Schwedendemokraten dominiert" werde oder einer Regierung, "die von mir geführt wird und die Schweden in einem neuen Geist der Zusammenarbeit führen wird".
Im Falle eines Wahlsiegs des rechten Blocks war eine vergleichsweise unkomplizierte Regierungsbildung erwartet worden. Sollte sich der Vorsprung der linken Opposition in den Hochrechnungen bestätigen, wird wegen teils sehr unterschiedlicher Positionen der vier Parteien mit längeren Verhandlungen gerechnet.
Y.Aggarwal--MT